Poker um Schweizer Mobilfunk-Zukunft ist in vollem Gang

Von Angela Barandun.

Die Schweizer Mobilfunk-Anbieter steigern in einer einzigartigen Auktion um ihre Zukunft. Die Verhandlungen sind geheim, extrem kompliziert und könnten dem Staat Milliarden bringen.

Es geht unter anderem um schnelleres Surfen und grössere Datenkapazität: Das Handy ist für die Konsumenten mehr als ein Telefon. Bild: Keystone

Eigentlich ist fast alles geheim: wann die Auktion der Mobilfunklizenzen stattfindet, wer mitmacht, wie lange sie dauert. Klar ist lediglich, dass es teuer wird: Mindestens 630 Millionen Franken müssen die Bieter gemeinsam aufwerfen, wenn sie weiterhin ein Netz betreiben wollen. Es könnte aber auch deutlich mehr werden. Das entscheidet sich dieser Tage, denn der Poker um die Zukunft des Schweizer Mobilfunks ist gemäss Informationen des TA in vollem Gang.

Die Schweizer Auktion ist einzigartig. Noch nie wurden in Europa sämtliche Mobilfunkfrequenzen auf einmal neu vergeben. Das macht das Verfahren extrem komplex. Das Auktionssystem ist so kompliziert, dass die beteiligten Firmen – Swisscom, (SCMN 363.4 0.69%) Sunrise und Orange sowie allenfalls kleinere Nischenanbieter – extra eine spezialisierte Beratungsfirma anheuern mussten, um richtig zu bieten. Davon gibt es weltweit kein Dutzend.

Ausserdem braucht jeder Bieter einen speziellen Computer mit einer Rechenleistung, die jene eines normalen PCs bei weitem übersteigt, einen Ersatzcomputer, falls der erste ausfällt, eine störungsfreie Standleitung ins Internet, eine zweite störungsfreie Standleitung, falls die erste wider Erwarten gekappt wird – und sämtliche wichtigen Leute in einem Raum. Dort entscheidet sich, ob ein Bieter das bekommt, was er will – und fast wichtiger: was es kostet.

Hohe Schweizer Mindestpreise

Versteigert werden Lizenzen für 61 Blöcke in 11 Kategorien auf 5 Frequenzbändern gültig bis 2028. Die eine Hälfte des Spektrums wird bereits von Swisscom, Sunrise und Orange genutzt. Die andere kommt neu dazu, um des explodierenden Datenvolumens Herr zu werden und das Surfen schneller zu machen.

Die Mindestpreise schwanken je nach Kategorie und Band zwischen 2,7 und 21,3Millionen Franken pro Block. Am teuersten sind tiefe Frequenzen (800 und 900 Megahertz); diese Signale haben die grösste Reichweite. Das bedeutet weniger Antennen und tiefere Kosten.

Hohe Schweizer Preise

Im Vergleich zu Deutschland oder Österreich sind die Schweizer Mindestpreise relativ hoch. In der Schweiz startet nur eine einzige Kategorie unter 3 Millionen Franken, in Deutschland war nur eine darüber. In Österreich zahlten die Anbieter knapp 3 Millionen für einen Frequenzblock, bei dem der Schweizer Mindestpreis bei 8,3 Millionen liegt.

Grund sind die schlechten Erfahrungen bei der letzten Auktion hierzulande. Weil Sunrise und Diax kurz vor der Versteigerung der UMTS-Lizenzen fusioniert hatten, waren für drei Lizenzen nur drei Bieter angetreten. Sie gingen für den Mindestpreis von je 50 Millionen weg, während in Resteuropa Milliarden in die Staatskassen flossen.

Segen für den Staatshaushalt?

Fürs aktuelle Budget rechnet Bern mit Einnahmen von 630 Millionen – dem Mindestpreis. Alles, was darüber liegt, sind unerwartete zusätzliche Einnahmen, welche die Staatsrechnung aufbessern. Gut möglich also, dass der Staatshaushalt 2012 bereits in wenigen Tagen mit Hunderten Millionen im Plus liegt. Über das Ergebnis der Auktion lässt sich allerdings nur spekulieren.

Ein Indiz dafür liefern Beispiele aus dem Ausland. In Deutschland und Italien, wo vor kurzem 800-Megaherz-Blöcke vergeben wurden, stieg der Preis auf 600 bis 700 Millionen Franken pro Block. Im Angebot waren wie in der Schweiz 6 Blöcke. Das macht 3,6 bis 4,2 Milliarden – allein für dieses Band. In anderen Kategorien lagen die Preise im ein- bis zweistelligen Millionenbereich. Allerdings ist der Schweizer Markt viel kleiner als in diesen Nachbarländern.

Einnahmen in Milliardenhöhe?

Ein weiteres Indiz lieferte Swisscom-Konzernchef Carsten Schloter diese Woche. Gegenüber Analysten erklärte er, es sei gut möglich, dass die Swisscom aufgrund der Ausgaben für die Mobilfunklizenzen gezwungen sein könnte, ihre Nettoverschuldung zu erhöhen. Ausgehend von den Steuern und Zinsen 2011 sowie den für 2012 angepeilten Eckwerten (operativer Gewinn, Investitionen, Dividende) lässt sich ausrechnen, dass Schloter Ausgaben von über 500 Millionen Franken nicht ausschliesst. Hochgerechnet auf alle drei sicheren Bieter ergäbe das mindestens 1,5 Milliarden.

Damit wird man den Ambitionen der Swisscom allerdings nicht gerecht. Heute sei das verfügbare Mobilfunkspektrum gleichmässig auf die drei Anbieter Swisscom, Sunrise und Orange verteilt, erklärte Schloter den Analysten. «Wir belegen nur ein Drittel, obwohl wir deutlich mehr Kunden auf unserem Netz haben als die anderen.» Das will er ändern: «Die Versteigerung ist eine Chance, unseren Anteil deutlich zu erhöhen.»

Auktion kann Wochen dauern

In der ersten Runde geben die Firmen jeweils ein Gebot ab – eine Kombination aus der Menge der Blöcke, die sie pro Kategorie wollen, und den Preisen, die sie pro Block zu zahlen bereit sind. Das wird so oft wiederholt, bis für keine Kategorie mehr Gebote abgegeben werden, als im Angebot sind.

Das kann Tage oder Wochen dauern. In der zweiten Runde geht es nur noch darum, wer innerhalb einer Kategorie welche Blöcke erhält – nicht alle sind gleich attraktiv. Die Firmen geben ein Gebot ab, der Höchstbietende erhält den Zuschlag, zahlt aber nur den zweithöchsten Preis. (Tages-Anzeiger)

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